Datum
19. September 2017
Autor
von Linda Sonntag
Thema
Alltägliches

Reiten in der Schwangerschaft

4.3 von 5 Sterne, 3 Bewertungen

Gefahr oder Geschenk?

Jede Reiterin, die ein Kind erwartet, setzt sich mit diesem Thema auseinander. Ist Reiten während der Schwangerschaft gefährlich? Kann das Kind Schäden davon tragen? Wie lang darf ich reiten, bis die Gefahren zu gross werden? Diese Fragen und noch viele mehr stellen sich die werdenden Mütter und auch Väter.  

Susanna Kramarz schrieb 2011 genau über dieses Thema ihre Doktorarbeit. Sie konnte herausfinden, dass das Reiten keinen Einfluss auf Fehlgeburtenrate, auf die Dauer der Schwangerschaft oder das kindliche Outcome hat. Somit ist der kindliche Entwicklungsstatus bei reitenden und bei nichtreitenden Müttern derselbe.  

Eine Gefahr ist hier das zentrale Thema: Die Unfallgefahr. Pferde sind Fluchttiere, auch wenn sie im Normalfall noch so brav sind, kann immer etwas passieren. Die Gefahr eines Unfalls durch ein erschrecktes Pferd ist nie vollständig zu eliminieren. Die Reiterin muss die Situation haargenau einschätzen können und diese ist häufig nicht möglich. Was oft nicht bedenkt wird: Durch die Zunahme des Bauchumfangs wird der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt! Jede Schwangere darf selber entscheiden, ob sie bereit ist die Gefährdung für sich und ihr Kind in Kauf zu nehmen, damit sie ihrer reiterlichen Leidenschaft nachgehen kann. Grundsätzlich sollte man beachten, dass das Reiten während der Schwangerschaft angepasst wird. Das ganze sollte ruhig und entspannt angegangen werden. Auf den Umgang und das Reiten mit Jung- und Problempferden ist von Anfang an zu verzichten. Hier ist die Unfallgefahr einfach viel zu hoch.  

Durchschnittlich reiten werdende Mütter während der Schwangerschaft 29,6 Wochen, bis sie dann nicht mehr in den Sattel steigen. Ab hier wird empfohlen für die nächste Zeit auf das Reiten zu Verzichten.  

In der Dissertation von Susanna Kramarz wurde folgendes festgestellt: 

  • 74,8% der Reiterinnen mit Unfall sind in der Schwangerschaft keine Hindernisse gesprungen
  • 72,2% der Reiterinnen mit Unfall nahmen nicht an Turnieren teil
  • 66,9% der Reiterinnen mit Unfall schlossen sich im Fragebogen der Aussage an: „Ich fühlte mich völlig sicher, ein Unfallrisiko war aus meiner Sicht ausgeschlossen.“
  • 53% der Reiterinnen mit Unfall haben keine jungen Pferde oder Problempferde geritten  


*Anmerkung: Definition von Unfall = Pferd tritt auf Fuss bis schwerer Sturz

Die Überlebenschance vom Baby ist weniger von der Unfallschwere sondern mehr vom Zeitpunkt des Unfalls abhängig. Je früher der Unfall passiert, desto fataler ist das für das Kind, denn es ist zu dem Zeitpunkt noch nicht überlebensfähig.  

Wie schnell man nach der Geburt wieder zurück in den Sattel steigen kann, ist ganz individuell von der Geburtenart (Kaiserschnitt / natürliche Geburt) und dem Heilungsprozess abhängig. Jessica von Bredow-Werndl zum Beispiel ist gleich einen Monat nach der Geburt wieder ein Turnier geritten und hat dieses direkt gewonnen. Edwina Tops-Alexander bestritt ihr erstes Turnier vergangenes Wochenende an den IHLS in Lausanne. Ihre Tochter kam am 30.7.2017 auf die Welt.  

Hört auf euch selbst und auf euer Bauchgefühl und entscheidet anhand davon, ob und wie lange ihr reiten möchtet!

Bildquelle: © pixabay.com

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